Wohnhausanlage Globaler Hof






















BESONDERHEITEN DES PROJEKTES UND WAS BISHER GESCHAH


Grundlage war der Vorschlag von Prof. GEHMACHER mit dem Versuch auf neue Herausforderungen einer pluralistischen Gesellschaft eine wohnpolitische Antwort zu geben.


ExpertInnengruppe als wissenschaftliche Begleitung.

Mitarbeit des Integrationsfonds.

Die Planungsgrundsätze orientierten sich am Thema und den Vorgaben des Bauträgerwettbewerbes.

Eine Broschüre (mehrsprachig) die auf die Besonderheiten des Projektes hinwies wurde aufgelegt.

Internetpräsentation (auch in Englisch) wurde ausgearbeitet.

Zielgruppenwerbung. Marketing und die Werbung war auf die Zielgruppe hin ausgerichtet.

Die Preisgestaltung (keine Eigenmittel für die Grundkosten) und Wohnbauförderung (Superförderung) war auf die Zielgruppe ausgerichtet.

Ein Integrationsfest aller Freunde des Projektes und der Interessenten fand am 7.5.1999 mit Informationszelt unter Mitarbeit des Integrationsfonds statt. Es bestand dabei die Möglichkeit Informationen aus erster Hand von den anwesenden Architekten zu erhalten. Über die Kosten, Förderungsmöglichkeiten und Finanzierungsvarianten informierten Mitarbeiter der SOZIALBAU AG. Ebenso war die Anwesenheit von Dolmetschern, nebst Buffet und einer musikalischen Untermalung durch die "Tschuschen-Kapelle" vorgesehen.

Tag der offenen Tür für Interessenten. Am 3.12.1999 für die Besichtigung der Wohnungen und das Kennenlernen der Mitarbeiter des Hausverwaltungsteam‘s eine Aktion vor Ort veranstaltet.

Gesellige Beisammensein’s und Kennenlerntreffen wurden von der Hausverwaltung und dem Integrationsfonds am 23.3.2000 und 30.3.2000 im SOZIALBAU-WohnZentrum veranstaltet.

Öffentliche Präsentation des fertiggestellten Wohnhauses den Medien und politisch Verantwortlichen (Stadt Wien und Bezirksvertretung) gegenüber am 22.5.2000.

Tag der offenen Tür für die Nachbarschaft. Einladung der Bewohner angrenzender Wohnsiedlungen zur Besichtigung und zum Kennenlernen am 22.5.2000.

Mieterservice Team. Sichert die Moderation der Bezugsphase vor Ort. Ein Team bestehend aus dem Hausverwalter (verantwortliche Leitung), Hausbesorger, einer Kindergärtnerin, verstärkt durch eine Leihmutti der Bewohner, der Bauleiter, ein Student für die Startmoderation der Gemeinschaftsräume, das Bewohnerbüro und das Mieterservice, sowie ein Mitarbeiter des Integrationsfonds.





SONDEREINRICHTUNGEN


im Bauträgerwettbewerb wurden insgesamt 1.180m² an Gemeinschaftsfläche angeboten, tatsächlich wurden sogar 1.236m² unter Verzicht auf förderbare Wohnnutzfläche, die in der Folge von 11.094m² auf 10.869m² reduziert wurde, errichtet.


Ein Veranstaltungsraum mit 312m²

Vier Gemeinschafts-Penthäuser mit Dachterrassen mit insgesamt 120m², jeweils im Süd- und Nordtrakt

Vier überdachte, winterfeste Gemeinschaftsloggien mit insgesamt 180m², jeweils im 2.Stock West- und Osttrakt

Ein Kinderspielraum mit 51m² im 1.Stock im Nordtrakt

Ein Waschsalon mit 45m² mit Tageslicht und Ausblick auf den Kinderspielplatz

Der wohl schönste Kleinkinderspielplatz weit und breit. Sandkiste, viele Spielgeräte und Demonstrationswasserlauf, wo Fotovoltaik erlebbar wird. Spiel der Sonne mit dem Wasser, die Energie der Sonne reguliert den Wasserfluss.

Diverse Abstellräume (für Kinderwagen, Räder etc.) mit insgesamt 318m²

Ein ausgedehnter Wellness-Bereich (Sauna, Dampfbad, Sitzbecken und Ruhezone) 209m²

Wohnungsbezogen zugeordnete, dislozierte Dachgärten (Schrebergärten am Dach mit Werkzeughütten und einem Ausblick über den südlichen Wiener Stadtrand).

Ethno-Cafe, diverse Kleingewerbeflächen (Friseur, McCool).

Hauseigenes TV liefert 79 Fernsehkanäle (37 Standardprogramme wie ORF, ZDF, ARD, CNN, NBC, Eurosport, n-tv, RTL etc. und 26 ethnische Programme wie Bosnien TV, Kurdistan TV, TV Albanien, RTK Kosovo, TRT, TV Bulgaria, RTV Montenegro, SLO TV, HRT TV, Duna TV etc. sowie 7 Pay Programme), die ohne seperates Entgelt angeboten (die notwendigen Servicearbeiten an den Parabolspiegeln werden im Rahmen der Hausbewirtschaftung von der Gemeinschaft getragen) werden.

Architektur vom Feinsten. Hier wurde ein neuer Maßstab geschaffen, wer wissen will, was zeitgemäßes Wohnen im Jahre 2000 sein kann, wird an diesem Beispiel nicht vorbeikommen.


EINZUG  DER NATIONEN  IN  DEN  „GLOBALEN HOF“


Ein Wohnbau-Experiment der besonderen Art ging im letzten Mai-Drittel 2000 in die Zielgerade. Interessenten aus nicht weniger als 17 Nationen hielten Einzug in den von der SOZIALBAU AG errichteten „globalen Hof“ in Wien 23., vis á vis des Wohnparks Alterlaa. 140 geförderte Wohnungen sind, wie es das seit 1995 entwickelte Konzept vorsah, zu gleichen Teilen – also „fifty-fifty“ – an Zuwandererfamilien und an weltoffene Österreicher vermietet.




Sozialpolitischer Anspruch, architektonische Qualität

Es sei in beispielhafter Weise gelungen – dies unterstreicht SOZIALBAU-Vorstand Prof. Dr. Herbert Ludl anlässlich einer Projektpräsentation an Ort und Stelle – den gesellschaftspolitisch wichtigen Gedanken der Integration mit vorzüglicher architektonischer Qualität zu verquicken.

Der Wohnhof im aktuellen Stadterweiterungsgebiet „In der Wiesen – Nord“ ist aus dem 1997 jurierten Bauträgerwettbewerb als überragendes Siegerprojekt hervorgegangen und besticht mit originellen Merkmalen: Einfach zu verändernde Wohnungsgrundrisse, großzügige Wellness-Zone, sehr viel Raum für gemeinschaftliche Begegnung, ökologisches Flair. Begrünte Dachgärten mit Gemeinschaftshäuschen, ein geschützter Innenhof mit Wasserlauf, ein Traum-Kinderspielplatz, Brunnenwasserleitung sowie der heutzutage selbstverständliche Niedrigenergie-Standard machen das Objekt zu einem Exempel zeitgemäßen Planens und Bauens.

Einen Durchbruch bei der Verwirklichung der internationalen Hausgemeinschaft habe zudem die konsequente Zusammenarbeit mit städtischen Institutionen bewirkt. Der Wiener Integrationsfonds sowie eine eigens eingesetzte Expertengruppe haben die Umsetzung hoher sozialpolitischer Ansprüche ermöglicht, die Innovation „Superförderung“ der Stadt Wien habe dazu beigetragen, dieses schwierige Projekt ökonomisch auch leistbar zu machen.


Völlig normale Konditionen

Trotz seines spezifischen Themas – unterstreicht SOZIALBAU-Chef Ludl – ist der Wohnbau aus förderungstechnischer Sicht von „völliger Normalität“ gekennzeichnet. Die angestrebte interethnische Begegnung findet nach ausführlicher Projekt-Information völlig freiwillig statt und vor allem zu Konditionen, wie sie jeder förderungswürdige Österreicher bei der SOZIALBAU AG vorfindet.


FÜNF  INTEGRATIVE  PLANUNGSJAHRE

Den Erstimpuls zum Alterlaaer „globalen Hof“ setzte eine 1995 veröffentlichte Studie des Sozialforschers Prof. Ernst Gehmacher über die Lebensbedingungen für Ausländer in Wien. Deren Schluss-Empfehlung, auf „neue Herausforderungen einer pluralistischen Gesellschaft auch wohnpolitische Antworten zu geben“, wurde von der SOZIALBAU AG aufgenommen und zum Projekt-Thema für die Teilnahme am Bauträgerwettbewerb „In der Wiesen – Nord“ erkoren.

Seit 1996 verstärkt eine ExpertInnengruppe unter intensiver Mitarbeit des Wiener Integrationsfonds den experimentellen Ansatz einer weltoffenen, multikulturellen Hausgemeinschaft. Parallel zum einladend-offenen Planungskonzept der dynamischen Architekten-Crew Lautner-Scheifinger-Schindler-Szedenik erarbeitete das wissenschaftliche Begleit-Team Rahmenbedingungen für ein pluralistisches Wohnprojekt. Aus diesem Teamwork ging auch der Arbeitstitel für das Bauvorhaben hervor: „W.i.e.N – Wohnmodell inter-ethnische Nachbarschaft“.




Aufeinander zugehen

Enthalten war in dieser frühen Projektstudie bereits eine Reihe, hier in extremer Kürze dargestellter Empfehlungen:

„Aufeinander zugehen“ als integratives Generalmotto
Bewohnermix möglichst 50:50 ÖsterreicherInnen / ZuwanderInnen
Keine Beschränkungen bezüglich Herkunft, Religion, Ethnie
Planerische Vorsorge für sich verändernde Familiengrößen
Einplanen großzügiger Gemeinschafts- und Rückzugszonen
Impulse für multikulturelle Aktivitäten
Leistbarkeit auch für Zuwanderer-Klientel
Alternative zu Bezirken mit hohem Zuwanderer-Anteil

Im Jänner 1997 ist diese Kombination von gesellschaftspolitischem Anspruch und thematisch optimierter Architektur aus dem Bauträgerwettbewerb „In der Wiesen – Nord“ als eindeutiges Siegerprojekt hervorgegangen. Seither liegt – neben der Feinumsetzung und der wirtschaftlich–technischen Projektrealisierung – das Hauptaugenmerk auf spezifischer Kunden-Orientierung.


Spezielles Marketing

Dem Ansatz eines „Wohnmodells inter-ethnische Nachbarschaft“ angepasst, wurde bereits weit vor Baubeginn eine Einladungsbroschüre in Umlauf gebracht, Informationstätigkeit auch über alternative Medienkanäle geschleust. In einer fortgeschrittenen Akquisitions-Phase bekam das Projekt das werblich und weltoffen orientierte Etikett „globaler Hof“.

Promotion-Auftritte in Printmedien und auf der SOZIALBAU-Homepage wurden – eine absolute Innovation im österreichischen Wohnungsmarketing – zusätzliche in englischer Sprache organisiert. Der Empfehlung zu forciertem Kommunikations-Management entsprechend kam es frühzeitig zu Begegnungstreffen der sukzessiv wachsenden Interessentenschar: Bei einem Kennenlern-Fest noch in der Rohbauphase, bei einem Tag der offenen Tür, bei mehreren Info-Treffen im Wohn-Zentrum der SOZIALBAU AG und schließlich bei Bezug. Jeweils stand ein gut vorbereitetes und motiviertes Team zur Verfügung.


Komplett ausgebucht

Als Ergebnis eines fünfjährigen Schaffensprozesses präsentiert sich dieses Wohn-Exempel nun als Erfolgsnachweis für beharrliche Umsetzungs-Politik, die von der Theorie in die Wohnbau-Praxis führt. Bewohner aus 16 Nationen ziehen unter ein Dach, ein aus Indien zugewanderter Techniker sorgt vor Ort für optimale Betreuung. Alle einst bloß auf Papier formulierten Ansprüche können als voll eingelöst betrachtet werden.

Angesichts solch erfreulicher Bilanzen nimmt sich ein abschließender Hinweis geradezu ökonomisch-nüchtern aus: Das Wohnmodell ist komplett ausgebucht, 248 Interessenten mussten auf mögliche Folgeprojekte vertröstet werden, der Begriff „Leerstehungen“ erweist sich einmal mehr als Schimäre.




THEMATISCH  OPTIMIERTE  ARCHITEKTUR

Das „Wohnmodell inter-ethnische Nachbarschaft“ gibt – über bereits erwähnte Kriterien hinaus – eine Antwort auf die spannende Frage, ob besondere gesellschaftspolitische Anforderungen auch eine eigenständige Bauform herausfordern können.

Jeder Lokalaugenschein im „globalen Hof“ überzeugt davon, dass sich das Planerteam Lautner-Scheifinger-Schindler-Szedenik vom Gedanken der Integration hauptsächlich aus dem mediterranen, süd-ost-europäischen Raum zu thematisch optimierter Architektur inspirieren ließ. Dass hier auch intensive ökologische Akzente gesetzt wurden, ist keineswegs Zufall.

Flexible Grundrisse: Leicht veränderbare Schottenbauweise lässt bei Bedarf die Erweiterung und Kombination von Wohnungen – und bei Zuwanderern besonders bei mobilen Familienveränderungen – zu. Dieses prinzipiell bereits gängige Prinzip wird durch das Merkmal erweitert, jeder Wohnung einen Vor-Eintrittsraum zuzuordnen. So wird Zugangs- Intimität gewahrt.

Extensive Gemeinschaftsflächen: Gegenüber der Ursprungsplanung ist das Ausmaß an sozial nutzbaren Räumen noch erhöht worden. Im Detail: Ein Veranstaltungsraum mit  312 m², vier Gemeinschaftsräume nebst Dachterrassen, vier überdachte Gemeinschafts-Loggien mit insgesamt 180 m² Kinderspielraum, Waschsalon, diverse Abstellplätze für Kinderwagen, Räder, Sportgeräte etc. So erhalten unterschiedliche Lebensgewohnheiten ausreichend Platz für Rückzug und Begegnung gleichermaßen.

Elixier Wasser: Von einem Brauchwasserbrunnen aus durchzieht ein Demonstrations-Flüsschen den begrünten Innenhof. Ein ausgedehnter Wellnessbereich mit Sauna, Dampfbad, Sitzbecken, Ruhezone betont die Bedeutung gemeinsamen Badens.

Luft, Grün, Farbe: Seine Dachlandschaft der Integration ist eines der herausragenden Merkmale des „globalen Hofes“. Kräuter- und Gewürzgartln markieren die Vogelschau, an die Stelle von Kellerabteilen sind Werkzeugboxen nach oben versetzt. Der Bewohnernutzung frei gegebene „Häuschen“ sind installiert. Von hier aus ergibt sich zudem ein feiner Blick auf die prägnante Außenfärbelung einzelner Wohnungen und Maisonetten. So wird die Begegnung im Freien erleichtert.

Multikulturelle Technologie: Zwei symbolträchtig gelb gefärbelte Parabolspiegel signalisieren hier einen Mix unterschiedlicher Sprachen und Ethnien. Nahezu 80 TV-Programme können ohne zusätzliches Entgelt empfangen werden.




AKTUELLE  BEWOHNERSTATISTIK

Eine Auswertung der SOZIALBAU-Kundenbetreuung hat folgenden Stand ergeben, der eine beinahe punktgenaue Erfüllung des gesteckten Zieles einer internationalen Hausgemeinschaft untermauert.

Bewohnermix: 54 % geborene Österreicher, 45 % ZuwanderInnen

Offener Zugang: Obwohl grundsätzlich die Herkunft der Bewohner unlimitiert war, sind es vornehmlich Zuwanderer aus dem ehemaligen Jugoslawien (dzt. 7,8 % der Wiener Bevölkerung), die im „globalen Hof“ ihr neues Zuhause fanden. Unter den insgesamt 17 Zuzugsländern befinden sich Bangladesh, Bosnien, China, Frankreich, Indien, Iran, Kroatien, Mazedonien, Österreich, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, Syrien, Taiwan, Türkei, Ungarn.

Stadtpolitisches Vorbild: Der Absicht, neue Stadterweiterungsgebiete für Zuwanderer attraktiv zu machen, wird mit einem überproportionalen Zuzug aus den überlasteten Bezirken 15, 16 und 10 entsprochen.

Berufsstatistik:
Angestellte: 63 %
Arbeiter: 27 %
Pensionisten: 4 %
Selbständige: 3 %
Studenten: 3 %

Haushaltsgrößen:
Unverheiratet: 44 %
Zwei-Personen-Haushalte: 20 %
Drei-Personen-Haushalte: 19 %
Vier-Personen-Haushalte: 15 %
Fünf-Personen-Haushalte: 2 %
Darüber: 1 %

TECHNISCHE  DATEN

Projektadresse; 1230 Wien, Anton-Baumgartner-Straße 129
Wohnungsanzahl: 140
Bauträger: URBANBAU gemeinnützige Bau-, Wohnungs- und Stadterneuerungsgesellschaft m.b.H.
Wohnungsgrößen: 44 bis 108 m²
PKW-Stellplätze in Tiefgarage: 146
Förderbare Gesamtbaukosten: € 13.241.571,77
Gemeinschaftsflächen: 1.236 m²
Eigenmittel: € 156,97/Nutzwert
Monatliche Wohnkosten: € 5,90/Nutzwert (ohne Heizkosten)
Reduktion durch Superförderung bis zu € 5,03/Nutzwert
Garagenplätze: € 64,97 monatlich
Baubeginn: September 1998
Bauende: Mai 2000

Rückfragen

SOZIALBAU AG
Gemeinnützige Wohnungsaktiengesellschaft
1070 Wien, Lindengasse 55
Tel. 52 195 - 215
Fax: 51 195 – 212